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Würde ich mehr verdienen, wenn ich einfach kündigen würde?

Von Andreas Kronawetter

Hände zählen Euro-Banknoten, Symbolbild für mehr Gehalt bei einem Jobwechsel
Inhaltsverzeichnis
  1. Gehaltssteigerung bei Jobwechsel: Was die Zahlen tatsächlich sagen
  2. Was bei einem höheren Gehalt ebenfalls auf dich zukommen kann
  3. Warum häufige Jobwechsel ein Problem werden können
  4. Prüfe zuerst, warum du überhaupt wechseln möchtest
  5. Deinen Marktwert ermitteln: Gehaltsdaten und Gespräche nutzen
  6. Wie du dein Gehalt intern ansprichst
  7. Deine Entwicklung zählt ebenfalls
  8. Wenn sich intern trotzdem nichts bewegt
  9. Was du vor einem Wechsel mitnehmen solltest
  10. Häufige Fragen zum Jobwechsel und Gehalt

Vielleicht kennst du diesen Gedanken nach einem anstrengenden Montag. Oder nachdem du gehört hast, was ein ehemaliger Kollege beim neuen Arbeitgeber verdient: Würde ich mehr verdienen, wenn ich einfach kündigen würde?

Mehr Gehalt bei einem Jobwechsel ist möglich. Aber zur Entscheidung gehören auch deine Entwicklung, die neuen Anforderungen und das Umfeld, in dem du künftig arbeitest. Prüfe deshalb zuerst, was bei deinem aktuellen Arbeitgeber möglich ist.

Gehaltssteigerung bei Jobwechsel: Was die Zahlen tatsächlich sagen

Beim Thema Jobwechsel begegnen dir schnell beeindruckende Zahlen. Die Untersuchung „Human capital at work“ des McKinsey Global Institute aus dem Jahr 2022 zeigt: Bei den untersuchten Rollenwechseln, die mit einem höheren Einkommen verbunden waren, lagen die durchschnittlichen Gehaltssteigerungen je nach Land bei 30–45 %.

Dabei ist die Bezugsgruppe entscheidend: Diese Werte gelten für Wechsel mit Gehaltssteigerung. Sie bedeuten nicht, dass jeder Jobwechsel einen solchen Sprung bringt. Die Untersuchung berücksichtigt außerdem sowohl interne Rollenwechsel als auch Wechsel zu anderen Arbeitgebern. Quelle: McKinsey Global Institute

Das macht die mögliche Gehaltsentwicklung interessant. Es reicht aber noch nicht als Grundlage für deine eigene Entscheidung.

Denn eine höhere Zahl im Arbeitsvertrag beantwortet nicht, wie dein Arbeitsalltag danach aussieht.

Was bei einem höheren Gehalt ebenfalls auf dich zukommen kann

In deiner aktuellen Rolle bist du eingespielt. Du kennst die Abläufe, die Menschen und die Stellen, an denen es schwierig werden kann. Du weißt, wen du ansprechen musst und worauf es ankommt.

Bei einem neuen Arbeitgeber musst du dir diese Orientierung erst wieder aufbauen. Gleichzeitig können mit einem höheren Gehalt auch höhere Erwartungen und mehr Verantwortung verbunden sein.

Aus eigener Erfahrung: Ein Wechsel kann beflügeln. Das habe ich selbst erlebt. Er kann finanziell und persönlich der richtige Schritt sein.

Entscheidend ist dabei mehr als die Gehaltszahl. Eine neue Aufgabe, ein anderes Team und eine andere Führungskraft bringen Unbekannte mit. Auch die Belastung und deine Work-Life-Balance können sich verändern.

Ein attraktives Angebot verdient deshalb einen zweiten Blick: Was bekommst du zusätzlich – und was wird künftig von dir erwartet?

Warum häufige Jobwechsel ein Problem werden können

Ein einzelner Wechsel ist etwas anderes als ein Lebenslauf, in dem sich sehr kurze Stationen wiederholen.

Eine Untersuchung von Cohn und Kollegen hat diesen Unterschied mit fiktiven Bewerbungen getestet. Die Lebensläufe unterschieden sich gezielt in der Anzahl bisheriger Arbeitgeber. Über beide Erhebungswellen hinweg lag die Rückmeldequote bei 20,2 % für die Variante mit einem Arbeitgeber und bei 14,0 % für die Variante mit vier Arbeitgebern.

Das Feldexperiment fand in der Schweiz statt. Die Ergebnisse zeigen einen Nachteil häufiger Wechsel im untersuchten Umfeld. Sie belegen nicht, dass jeder zusätzliche Wechsel automatisch deine Chancen verschlechtert. Quelle: Cohn et al., CESifo Working Paper, 2019

Rückmeldequote bei häufigen Jobwechseln: 20,2 % bei einem Arbeitgeber, 14 % bei vier Arbeitgebern
Eigene Darstellung. Quelle: Cohn, Maréchal, Schneider & Weber (2019), CESifo Working Paper Nr. 7976.

Eine weitere Perspektive liefert die Befragung von Resume Genius aus dem Jahr 2024. Unter 625 befragten Hiring Managern in den USA gaben 50 % an, dass häufige Jobwechsel sie bei einer Bewerbung zurückhaltender machen. 17 % betrachteten sie als deutliches Warnsignal. Das sind Einschätzungen aus einer US-Befragung, keine allgemeingültigen Werte für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Quelle: Resume Genius, Hiring Trends Report 2024

Die Suche und Einarbeitung neuer Mitarbeiter kosten Unternehmen Zeit, Energie und Geld. Ein Muster häufiger Wechsel kann deshalb die Frage aufwerfen, ob jemand länger bleiben und sich in der Aufgabe entwickeln möchte.

Das ist kein pauschaler Grund, möglichst lange auszuharren. Es spricht aber dafür, jeden Wechsel bewusst zu entscheiden, statt bei jedem Frust sofort weiterzuziehen.

Prüfe zuerst, warum du überhaupt wechseln möchtest

Bevor du ernsthaft über eine Kündigung nachdenkst, halte die Gründe auseinander:

  • Geht es um deine Aufgabe?
  • Geht es um die Menschen oder die Unternehmenskultur?
  • Fehlt dir eine Entwicklungsperspektive?
  • Oder geht es hauptsächlich um dein Gehalt?

Wenn es vor allem ums Gehalt geht, suche zuerst das Gespräch mit deinem aktuellen Arbeitgeber.

Du kennst dort bereits vieles, was du bei einem neuen Arbeitgeber erst herausfinden müsstest. Wenn sich dein Gehalt intern weiterentwickeln lässt, kannst du diesen Vorteil behalten.

Damit das Gespräch konkret wird, brauchst du allerdings eine nachvollziehbare Vorstellung davon, was deine Rolle am Markt wert ist.

Fehlt dir darüber hinaus eine berufliche Perspektive, helfen dir die sechs Warnzeichen für eine Veränderung im Job, deine Situation genauer einzuordnen.

Deinen Marktwert ermitteln: Gehaltsdaten und Gespräche nutzen

Für deine Recherche kannst du zwei Zugänge miteinander kombinieren.

Gehaltsportale und Gehaltsreports geben dir eine erste Orientierung. Dazu gehören beispielsweise Kununu, Glassdoor und die Stepstone-Gehaltsreports. Entscheidend ist, nach einer vergleichbaren Rolle, Branche und Region zu schauen. Du suchst eine realistische Bandbreite, nicht einfach den höchsten auffindbaren Wert.

Gespräche mit deinem Netzwerk helfen dir, diese Zahlen einzuordnen. Sprich mit Menschen, die ähnliche Aufgaben übernehmen – gerne auch in anderen Unternehmen. Solche Gespräche können dir ein konkreteres Bild davon geben, wie vergleichbare Rollen tatsächlich vergütet werden.

Wenn dir passende Kontakte fehlen, kannst du ergänzend mit einem Recruiter oder Personalberater aus deiner Branche sprechen.

Du brauchst dafür keine perfekte Statistik. Du brauchst eine Grundlage, mit der du im Gespräch konkreter wirst als: „Ich glaube, woanders würde ich mehr bekommen.“

Wie du dein Gehalt intern ansprichst

Wenn deine Recherche zeigt, dass du unter dem üblichen Niveau liegst, kannst du das offen ansprechen. Du könntest das Gespräch zum Beispiel so beginnen:

„Ich habe mir den Markt für meine Rolle angeschaut und meine Recherche zeigt, dass ich aktuell unter dem üblichen Niveau liege. Bevor ich mich daher woanders umschaue, wäre mir wichtig, das mit dir zu besprechen.“

Damit erklärst du, worauf sich dein Anliegen stützt, und gibst deinem Arbeitgeber die Möglichkeit, darauf zu reagieren.

Ein regelmäßiger Rahmen für dieses Gespräch ist das Mitarbeitergespräch. Wie du es nutzt, steht im Beitrag „Mitarbeitergespräch: Was du nach der Bewertung tun solltest“.

Natürlich sollte die Aussage zu deiner tatsächlichen Recherche passen. Sie ist ein Gesprächsbeispiel und kein Satz, der unabhängig von deiner Situation immer funktioniert.

Der Vorteil dieses Vorgehens: Du prüfst zuerst, ob sich dein Gehaltswunsch dort lösen lässt, wo du bereits eingearbeitet bist und dein Umfeld kennst.

Wenn ihr eine künftige Entwicklung besprechen möchtet, kannst du Ziele und Gehalt in einem Entwicklungsplan verbinden. So wird deutlicher, worauf du hinarbeitest und welche Anpassung ihr dafür vereinbaren könnt.

Deine Entwicklung zählt ebenfalls

Die McKinsey-Untersuchung betrachtet neben dem Gehalt auch die sogenannte „Skill Distance“. Gemeint ist, wie stark sich die Fähigkeiten und Anforderungen einer neuen Rolle von denen der bisherigen unterscheiden.

Rollenwechsel mit Gehaltssteigerungen waren in der Untersuchung häufig mit größeren Veränderungen dieser Anforderungen verbunden. Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis dafür, dass jede neue Aufgabe automatisch mehr Gehalt auslöst. Quelle: McKinsey Global Institute

Schau bei deiner Entscheidung darauf, was du beim nächsten Schritt lernen und übernehmen kannst. Eine neue Rolle kann dir ermöglichen, zusätzliche Fähigkeiten aufzubauen und mehr Verantwortung zu tragen.

Diese Entwicklung muss nicht zwingend bei einem anderen Arbeitgeber stattfinden. Wenn dein Unternehmen entsprechende Möglichkeiten bietet, kann auch ein interner Schritt sinnvoll sein.

Auch der interne Weg kann dich fachlich, persönlich und finanziell weiterbringen.

Wenn sich intern trotzdem nichts bewegt

Du hast dein Anliegen angesprochen, aber es gibt kein Budget, keine erkennbare Bewegung und keine ernsthafte Perspektive – auch nach mehreren Gesprächen.

Dann ist das ebenfalls eine Antwort.

Aus meiner eigenen Erfahrung reicht ein einziges Gespräch dafür allerdings oft nicht aus, gerade in Konzernstrukturen. Budgetfreigaben und Entscheidungswege brauchen Zeit. Eine ausbleibende Zusage bedeutet deshalb nicht automatisch, dass dein Anliegen abgelehnt wurde.

Mein Vorschlag: Gib der internen Lösung realistisch zwei oder drei Anläufe, bevor du sie als gescheitert betrachtest. Das ist eine persönliche Empfehlung, keine feste Regel für jede Situation.

Wenn sich danach weiterhin nichts bewegt, kannst du dich mit einer klareren Grundlage extern umsehen. Du weißt dann besser, was dir fehlt und was dein nächster Schritt ermöglichen soll.

Was du vor einem Wechsel mitnehmen solltest

Ein Jobwechsel kann sich lohnen. Für deine Entscheidung gehören aber mehr Dinge auf den Tisch als das mögliche Gehaltsplus.

Diese vier Schritte helfen dir bei der Vorbereitung:

  1. Kläre deinen Wechselgrund. Geht es ums Gehalt oder um etwas Grundsätzlicheres?
  2. Recherchiere deinen Marktwert. Nutze Gehaltsinformationen und passende Kontakte.
  3. Sprich deine Möglichkeiten intern an. Sowohl beim Gehalt als auch bei deiner Entwicklung.
  4. Prüfe einen Wechsel, wenn die Perspektive fehlt. Mit einer klaren Vorstellung davon, was dadurch besser werden soll.

So wird aus einem verständlichen Frustmoment eine überlegte Karriereentscheidung.

Häufige Fragen zum Jobwechsel und Gehalt

Wie viel mehr Gehalt bringt ein Jobwechsel?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. In der McKinsey-Untersuchung „Human capital at work“ (2022) lagen die Gehaltssteigerungen bei Rollenwechseln mit höherem Einkommen je nach Land bei 30–45 %. Die Werte gelten nur für Wechsel mit Gehaltssteigerung und umfassen interne Rollenwechsel und Wechsel zu anderen Arbeitgebern. Jeder Jobwechsel bringt also nicht automatisch einen solchen Sprung.

Lohnt sich ein Jobwechsel immer finanziell?

Nicht automatisch. Neben dem Gehalt zählen Entwicklung, neue Anforderungen und das Umfeld. Bei einem neuen Arbeitgeber baust du die Orientierung neu auf, mit höherem Gehalt können höhere Erwartungen und mehr Verantwortung kommen, und auch die Belastung und deine Work-Life-Balance können sich verändern. Prüfe deshalb zuerst, was beim aktuellen Arbeitgeber möglich ist.

Sind häufige Jobwechsel ein Problem?

Ein einzelner Wechsel ist etwas anderes als wiederholt sehr kurze Stationen. In einem Schweizer Feldexperiment (Cohn et al., 2019) lag die Rückmeldequote bei 20,2 % mit einem und bei 14,0 % mit vier Arbeitgebern. In einer US-Befragung (Resume Genius, 2024) wurden 50 % von 625 Hiring Managern durch häufige Wechsel zurückhaltender. Das sind Befunde aus bestimmten Umfeldern, kein Beleg für jeden Wechsel. Entscheide jeden Wechsel bewusst.

Wie finde ich meinen Marktwert heraus?

Kombiniere Gehaltsportale und Gehaltsreports (zum Beispiel Kununu, Glassdoor, Stepstone-Gehaltsreports) mit Gesprächen in deinem Netzwerk. Achte auf vergleichbare Rolle, Branche und Region und suche eine realistische Bandbreite statt des höchsten Werts. Fehlen Kontakte, kann ein Gespräch mit einem Recruiter oder Personalberater deiner Branche helfen.

Wie spreche ich mein Gehalt im aktuellen Job an, bevor ich wechsle?

Wenn deine Recherche zeigt, dass du unter dem üblichen Niveau liegst, sprich das offen an, zum Beispiel: „Ich habe mir den Markt für meine Rolle angeschaut und meine Recherche zeigt, dass ich aktuell unter dem üblichen Niveau liege. Bevor ich mich daher woanders umschaue, wäre mir wichtig, das mit dir zu besprechen.“ Die Aussage muss zu deiner tatsächlichen Recherche passen.

Was tue ich, wenn sich intern nichts bewegt?

Gib der internen Lösung realistisch zwei oder drei Anläufe, bevor du sie als gescheitert betrachtest. Budgetfreigaben und Entscheidungswege brauchen Zeit. Das ist eine persönliche Empfehlung, keine feste Regel. Bewegt sich danach weiterhin nichts, kannst du dich mit klarerer Grundlage extern umsehen.

Wie bereite ich einen Jobwechsel vor?

In vier Schritten: den Wechselgrund klären (Gehalt oder etwas Grundsätzlicheres), den Marktwert recherchieren, Möglichkeiten intern ansprechen und einen Wechsel prüfen, wenn die Perspektive fehlt, mit einer klaren Vorstellung davon, was dadurch besser werden soll.

Quellen geprüft am 26. Oktober 2026.

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