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Lebenslauf: Worauf Personaler in 43 Sekunden achten

Von Andreas Kronawetter

Person liest einen Lebenslauf, Symbolbild für Lebenslauf Tipps aus Sicht von Personalern
Inhaltsverzeichnis
  1. Was hinter den 43 Sekunden steckt
  2. Fehlerfrei: Warum schon zwei Rechtschreibfehler zählen
  3. Das Bewerbungsfoto: aktuell und professionell
  4. Wie lang darf ein Lebenslauf sein?
  5. Berufserfahrung: Erfolge statt Aufgaben
  6. Das Kurzprofil: drei Sätze, die zur Stelle passen
  7. Lücken im Lebenslauf erklären
  8. Dein nächster Schritt
  9. Häufige Fragen zum Lebenslauf

Was glaubst du, wie lange ein Personaler deinen Lebenslauf anschaut? Die Personaler selbst schätzen knapp zwei Minuten. Gemessen wurden in einer Eyetracking-Studie aber nur 43 Sekunden.

Wenn du gerade an deinem Lebenslauf sitzt oder dich bewirbst und kaum Einladungen bekommst, ist das eine wichtige Zahl. Dein Lebenslauf wird nicht Wort für Wort gelesen, er wird überflogen. In diesen 43 Sekunden muss er drei Dinge schaffen: Er muss sauber wirken, zeigen, was du erreicht hast, und eine stimmige Geschichte erzählen. Dabei kommt es auf sechs Punkte an.

Was hinter den 43 Sekunden steckt

Die Zahl stammt aus einer Studie von Stepstone Österreich und dem Marktforschungsinstitut MindTake. Im April 2018 wurden dafür 33 Personalverantwortliche aus ganz Österreich persönlich befragt und gleichzeitig per Eyetracking gemessen. Dabei zeichnet eine Kamera auf, wohin die Augen beim Lesen schauen und wie lange. Quelle: Stepstone Österreich, Eyetracking-Studie 2018

Die Studie ist schon etwas älter, und die Zahl der Befragten ist klein. Trotzdem finde ich sie nach wie vor sehr interessant und relevant. Sie zeigt den Unterschied zwischen dem, was Personaler über sich selbst schätzen, und dem, was tatsächlich gemessen wurde.

Personaler schätzen knapp zwei Minuten Lesezeit für einen Lebenslauf, gemessen wurden 43 Sekunden
Eigene Darstellung. Quelle: Stepstone/MindTake 2018 (Österreich).

Zwei Ergebnisse helfen dir beim Aufbau deines Lebenslaufs besonders: Der erste Blick fiel auf das Foto, und am längsten schauten die Personaler auf die Berufserfahrung. Auf beides kommen wir gleich zurück.

Fehlerfrei: Warum schon zwei Rechtschreibfehler zählen

Sauber wirken heißt zuerst: keine Rechtschreibfehler. Jetzt denkst du wahrscheinlich: „Ernsthaft? Dafür gibt es doch eine Rechtschreibprüfung.“ Das stimmt, und die hilft dir auch. Aber sie findet keinen falsch geschriebenen Firmennamen, kein verdrehtes Datum und kein „Leiter“, wo eigentlich „Leiterin“ stehen sollte.

In der Eyetracking-Studie sagten 64 % der Personaler, Rechtschreib- und Grammatikfehler im Lebenslauf sind ein klares No-Go. Das gilt auch heute noch: In einer neueren Stepstone-Befragung unter Recruitern in Österreich nennen 42 % fehlerfreie Rechtschreibung als entscheidendes Kriterium. Quelle: Stepstone Österreich, Juli 2025

Was Fehler kosten können, hat eine Studie aus Belgien gemessen. Dafür bewerteten 445 Recruiter Lebensläufe mit und ohne Rechtschreibfehler. Schon zwei Fehler senkten die Wahrscheinlichkeit einer Einladung zum Vorstellungsgespräch um 7,3 Prozentpunkte, fünf Fehler um 18,5 Prozentpunkte. Der Grund: Die Recruiter hielten Bewerber mit Fehlern unter anderem für weniger sorgfältig und weniger kompetent. Quelle: Sterkens et al., PLoS ONE 2023

Und das ist auch nachvollziehbar. Fehler passieren, das ist vollkommen normal. Aber der Lebenslauf ist eines der wichtigsten Dokumente, die du im Leben verschickst. Wenn schon dieses Dokument nicht fehlerfrei ist, dann fragt sich die Person, die ihn liest: „Wie sorgfältig arbeitet jemand dann bei anderen wichtigen Aufgaben?“ Gerade bei Stellen mit mehr Verantwortung sind Fehler im Lebenslauf ein absolutes No-Go.

Deshalb rate ich dir: Lies deinen Lebenslauf einmal laut vor. Und lass ihn von einer zweiten Person gegenlesen, am besten von jemandem, der ihn noch nie gelesen hat.

Das Bewerbungsfoto: aktuell und professionell

Der zweite Punkt beim ersten Eindruck ist dein Foto. In der Eyetracking-Studie fiel der Blick der Personaler zuerst auf das Foto. Zwar nur 1,8 Sekunden lang, trotzdem hat dieser kurze Blick die Einschätzung der ganzen Bewerbung beeinflusst. 42 % der Befragten schlossen von einem schlechten Foto auf eine schlechte Bewerbung.

Zu den häufigsten No-Gos gehören Selfies und Urlaubsfotos. Das schöne Foto vom Strand ist also eher keine gute Idee.

Genauso wichtig: Dein Foto muss aktuell sein. Stell dir das Gespräch aus Sicht der Person vor, die dich einlädt. Auf dem Foto ist ein Mensch Anfang dreißig zu sehen, und zur Tür herein kommt jemand Mitte vierzig. Das passt einfach nicht zusammen. Und dieser Eindruck entsteht, bevor du ein Wort gesagt hast.

Ein aktuelles, professionelles Foto zeigt zudem Wertschätzung gegenüber dem Unternehmen. Und es wirkt auch professionell.

Wie lang darf ein Lebenslauf sein?

In der Eyetracking-Studie wünschten sich 61 % der Personaler einen Lebenslauf mit zwei A4-Seiten. Nur bei älteren Bewerbern mit langjähriger Berufserfahrung durften es bis zu vier Seiten sein.

Ich würde trotzdem bei zwei Seiten bleiben, und dazu rate ich dir auch. Warum? Ganz einfach: Weil dich diese Grenze zwingt zu entscheiden, welche Jobs, welche Skills und welche Erfolge wirklich wichtig sind. Was nach dem Kürzen übrig bleibt, soll in den 43 Sekunden ankommen.

Dein Job von vor fünfzehn Jahren braucht keine fünf Aufzählungspunkte mehr. Da reicht eine Zeile.

Ein einfacher Test beim Kürzen: Frag dich bei jeder Zeile, ob sie für genau diese Stelle wichtig ist. Wenn nicht, streich sie oder fass sie mit einer anderen zusammen.

Also: fehlerfrei, ein aktuelles Foto und im besten Fall zwei Seiten. Damit fällst du nicht negativ auf. Positiv auffallen ist der nächste Schritt. Und da kommen deine Erfolge ins Spiel.

Berufserfahrung: Erfolge statt Aufgaben

Am längsten schauten die Personaler in der Studie auf die Berufserfahrung, im Schnitt 22,3 Sekunden. Dorthin gehört also, was du erreicht hast. Nicht nur, was du gemacht hast.

Vergleiche diese zwei Varianten:

Variante eins: „Betreuung von Bestandskunden“

Variante zwei: „Betreuung von 40 Großkunden, Umsatz in zwei Jahren um 18 % gesteigert“

Ich denke, du erkennst den Unterschied sofort. Genau solche Ergebnisse wie in Variante zwei wollen Hiring Manager sehen, also die Führungskräfte, für die du später arbeiten würdest. Sie möchten wissen, was du schon vorzuweisen hast, an welchen Projekten du zuletzt gearbeitet hast und was du dabei erreicht hast.

Schreib deshalb für deine letzten zwei, drei Jobs jeweils zwei bis drei kurze Sätze nach genau diesem Muster: was du gemacht hast und was dabei herausgekommen ist. Ein Beispiel für ein Projekt:

„Einführung einer neuen Software an drei Standorten geleitet, zwei Wochen vor dem Zeitplan abgeschlossen.“

Das Kurzprofil: drei Sätze, die zur Stelle passen

Ganz oben, noch vor der Berufserfahrung, steht idealerweise ein Kurzprofil. Das sind drei Sätze, die zusammenfassen, wo deine wesentlichen Skills liegen, wo du besonders stark verwurzelt bist und wo du einem Unternehmen konkret helfen kannst.

Ein Beispiel, wie das klingen kann:

„Über 15 Jahre Erfahrung im komplexen Lösungsvertrieb im Maschinenbau. Stark verwurzelt in Business Development und Key-Account-Management. In den letzten drei Jahren durchschnittlich 15 % Neukundenquote.“

Nach zehn Sekunden weiß jeder, der dein Kurzprofil liest, wer du bist und was du mitbringst.

Passe dein Kurzprofil an jede Stelle an

Das Kurzprofil schreibst du nicht einmal für alle Bewerbungen. Du passt es an jede Stelle an. In der neueren Stepstone-Befragung aus Österreich ist für 64 % der Recruiter die Passung zur Stelle entscheidend. Quelle: Stepstone Österreich, Juli 2025

Mein Tipp: Markiere in der Stellenanzeige die zwei, drei wichtigsten Anforderungen. Zeig dann im Kurzprofil, dass du genau diese Fähigkeiten mitbringst, am besten mit denselben oder ähnlichen Begriffen, die auch in der Anzeige stehen.

Die Formulierungen und Zahlen in diesem und im vorherigen Abschnitt sind Beispiele. Passe sie an deinen tatsächlichen Werdegang an.

Lücken im Lebenslauf erklären

Bleibt der letzte Punkt: Lücken im Lebenslauf. Vielleicht hast du eine, etwa wegen einer Elternzeit, einer längeren Jobsuche oder einer bewussten Auszeit.

Die gute Nachricht: In der Eyetracking-Studie sagten 92 % der Personaler, Lücken sind kein Problem. Aber nur dann, wenn sie schlüssig begründet sind. Nicht die Lücke ist also das Problem, sondern eine Lücke ohne Erklärung.

Mein Rat daher: Erkläre die Lücke schon im Lebenslauf. Schreib den Zeitraum hin und in einer Zeile, was in dieser Zeit passiert ist. Zum Beispiel „Berufliche Neuorientierung“, „Weiterbildung im Projektmanagement“ oder „Pflege eines Angehörigen“.

Das lohnt sich. In einer weltweiten Umfrage von LinkedIn sagten 51 % der Personalverantwortlichen, dass sie sich eher bei jemandem melden, der seine Auszeit erklärt. Quelle: LinkedIn, März 2022

92 % der Personaler sehen Lücken im Lebenslauf nicht als Problem, wenn sie schlüssig begründet sind
Eigene Darstellung. Quellen: Stepstone/MindTake 2018 (Österreich), LinkedIn 2022 (weltweit).

Und noch etwas spricht dafür. Ist die Lücke nicht erklärt, dann musst du sie spätestens im Gespräch erklären. Dann sitzt du da, bist sowieso etwas nervös und musst aus dem Stand eine Begründung finden. Da tust du dir deutlich schwerer, und der rote Faden geht schnell verloren.

Steht die Erklärung schon im Lebenslauf, dann kannst du im Gespräch ruhig daran anknüpfen. Etwa so:

„Nach meiner letzten Stelle habe ich mir bewusst ein halbes Jahr genommen und mich im Projektmanagement weitergebildet. Dabei ist mir klar geworden, dass ich genau in diese Richtung will.“

Das klingt nicht nach einer Ausrede, sondern nach einer bewussten Entscheidung.

Auch einen Jobwechsel kurz begründen

Übrigens gilt das auch für Jobwechsel. In der Eyetracking-Studie sagten 94 % der Personaler, die Gründe für einen Wechsel sind ihnen sehr oder eher wichtig. Erkläre deshalb kurz, warum du gewechselt hast. Das wirkt besser als eine lange Rechtfertigung im Gespräch.

Wenn du noch abwägst, ob ein Wechsel für dich gerade der richtige Schritt ist, hilft dir der Beitrag „Wann Job wechseln? 6 Warnzeichen im Job“.

Dein nächster Schritt

Personaler schauen deinen Lebenslauf im Schnitt 43 Sekunden an. In dieser Zeit sollte er drei Dinge schaffen:

  1. Sauber wirkenKeine Fehler, ein aktuelles Foto und maximal zwei Seiten, außer du hast eine lange Berufserfahrung.
  2. Zeigen, was du erreicht hastErfolge in kurzen Sätzen bei der Berufserfahrung und ganz oben ein Kurzprofil, das zur Stelle passt.
  3. Eine stimmige Geschichte erzählenLücken und Wechsel schon im Lebenslauf kurz erklären. Dann gehst du mit einem roten Faden ins Gespräch.

Mein Vorschlag für heute: Schau dir deinen Lebenslauf 43 Sekunden lang an, am besten mit Stoppuhr. Was ist dir danach im Kopf geblieben? Wenn das nicht deine stärksten Erfolge sind, dann weißt du, wo du anfängst.

Häufige Fragen zum Lebenslauf

Wie lange schauen Personaler auf einen Lebenslauf?

In einer Eyetracking-Studie von Stepstone Österreich und MindTake (April 2018, 33 Personalverantwortliche in Österreich) waren es durchschnittlich 43 Sekunden. Die Personaler selbst schätzten knapp zwei Minuten. Die Studie ist älter und die Zahl der Befragten klein, zeigt aber den Unterschied zwischen Schätzung und Messung.

Wie lang darf ein Lebenslauf sein?

In der Eyetracking-Studie wünschten sich 61 % der Personaler zwei A4-Seiten, nur bei älteren Bewerbern mit langjähriger Berufserfahrung durften es bis zu vier sein. Der Beitrag rät zu zwei Seiten, weil dich diese Grenze zwingt zu entscheiden, was wirklich wichtig ist. Ein Job von vor fünfzehn Jahren braucht nur noch eine Zeile.

Wie wichtig sind Rechtschreibfehler?

In der Eyetracking-Studie nannten 64 % der Personaler sie ein klares No-Go. In einer neueren Stepstone-Befragung (Juli 2025) sehen 42 % der Recruiter in Österreich fehlerfreie Rechtschreibung als entscheidendes Kriterium. Eine Studie aus Belgien (Sterkens et al., 2023, 445 Recruiter) fand: Zwei Fehler senkten die Wahrscheinlichkeit einer Einladung um 7,3 Prozentpunkte, fünf Fehler um 18,5 Prozentpunkte.

Wie sollte mein Bewerbungsfoto aussehen?

Aktuell und professionell. In der Studie fiel der Blick der Personaler zuerst auf das Foto, wenn auch nur 1,8 Sekunden lang, und 42 % schlossen von einem schlechten Foto auf eine schlechte Bewerbung. Zu den häufigsten No-Gos gehören Selfies und Urlaubsfotos.

Was gehört in die Berufserfahrung?

Erfolge statt nur Aufgaben: Am längsten schauten die Personaler in der Studie auf die Berufserfahrung (im Schnitt 22,3 Sekunden). Schreib für deine letzten zwei, drei Jobs je zwei bis drei kurze Sätze: was du gemacht hast und was dabei herausgekommen ist, zum Beispiel „Betreuung von 40 Großkunden, Umsatz in zwei Jahren um 18 % gesteigert“ (ein Beispiel).

Wie schreibe ich ein Kurzprofil?

Drei Sätze ganz oben, die zusammenfassen, wo deine wesentlichen Skills liegen, wo du besonders stark verwurzelt bist und wo du einem Unternehmen konkret helfen kannst. Passe es an jede Stelle an: In der Stepstone-Befragung von 2025 ist für 64 % der Recruiter die Passung zur Stelle entscheidend. Markiere in der Anzeige die zwei, drei wichtigsten Anforderungen.

Wie erkläre ich Lücken im Lebenslauf?

Schreib den Zeitraum hin und in einer Zeile, was in dieser Zeit passiert ist, zum Beispiel „Berufliche Neuorientierung“, „Weiterbildung im Projektmanagement“ oder „Pflege eines Angehörigen“. In der Studie sahen 92 % der Personaler Lücken nicht als Problem, wenn sie schlüssig begründet sind. In einer weltweiten LinkedIn-Umfrage (2022) melden sich 51 % der Personalverantwortlichen eher bei jemandem, der seine Auszeit erklärt.

Sollte ich Jobwechsel begründen?

Ja, kurz. In der Studie sagten 94 % der Personaler, die Gründe für einen Wechsel seien ihnen sehr oder eher wichtig. Das wirkt besser als eine lange Rechtfertigung im Gespräch.

Quellen geprüft am 24. Oktober 2026.

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